“Die Fähigkeiten des Traumes sind unbegrenzt: Heilen, in Erinnerung rufen, vorhersagen, aufhorchen lassen, in Schrecken versetzten, beruhigen, enthüllen, befreien. Vor allem auch: Uns vergessen machen. Die Gegenwart nimmt im Traum eine einzigartige Form an. Was er in uns von den Lebenden oder Toten, den Tieren, Objekten, Lichtern oder Räumen bewahrt, hat die Kraft der Imagination. – Entscheidend ist, ob wir die traumhafte Rätselhaftigkeit der Welt annehmen können – ob wir das zulassen können, wozu das Genie des Traums aufruft: Eine Verwandlung.” – Anne Dufourmentelle, Die Intelligenz des Traums.
Unbewusste Tagesreste, Gespenster der Vergangenheit, prophetische Einblicke in Kommendes, visionäre Imaginationen neuer Welten. Der Traum beschreibt eine surreale Dimension zwischen Erinnerung und Zukunft: als Spiegel der Realität entfremdet er das Bekannte und macht das Unbekannte begreiflich und erzählbar. André Breton bezeichnete den Menschen als „unverbesserlichen Träumer“, Sigmund Freud sah im Traum den Hüter unterdrückter und unbewusster Bestrebungen. Träume verbinden unser innerstes Selbst mit Figuren absoluter Fremdheit, bilden ein absurdes Zwischenreich in dem Individuum und Gesellschaft, Erinnerung und Illusion, Authentizität und Fiktion aufeinandertreffen. Sie erzählen in einer unbekannten Sprache vom Alltäglichen, eröffnen das absolut Neue in der Verkleidung des Altbekannten. Träume sind unendlicher Quell der Imagination; zugleich erlauben sie, die Schrecken des Alltags zu vergessen, besser mit der Realität umzugehen und Hoffnung zu schöpfen.
Angesichts medialer Hyperpräsenz und neoliberaler Produktivität muss die spielerische Kraft des Traums als emanzipative Form menschlicher Reflektion begriffen werden. Aktuelle Erfahrungen von Krieg, Pandemien oder Klimawandel werden zu kollektiven und individuellen Belastungen. Durch surreal-träumerische Verfremdung können psychische Widerstände umgangen werden und Probleme verarbeitet und gelöst werden. Diese Mechanismen der Traumwelt, ihre räumliche, sprachliche und temporale Un-Logik, greifen Miller de Nobili in Labyrinth bildnerisch und performativ auf, um zu erforschen, wie Tanz zur Darstellung und Transformation interkultureller, sozialer Prozesse und Problematiken betragen kann. In einer Tradition, die Tanztheater zwischen vielfältiger choreographischer Sprache, gesellschaftlich und autobiographisch inspirierten Texten und Charakterstudien neu fasst, treffen Einflüsse aus Breaking und Urban Dance auf zeitgenössischen Tanz, physisches Theater und Schauspieltechniken – und schaffen so eine ganz neue Welt zwischen gesellschaftlicher Realität und träumerischer Utopie.

Premiere: 28.-30.03.2024
Hellerau – European Centre for the Arts

Choreography: Maria Chiara de’ Nobili & Alexander Miller
in collaboration with the dancers Fabienne Deesker, Niklas Capel, Philip Lehmann, Nam Tran Xuan, Alessandro Ottaviani, Natalia Vagena.
Dramaturgy: Marie Glassl
Light Design: Geohwan Ju
Scenography: Sabine Mäder
Costume Design: Antonia Krull
Music: Gábor Halász
Production management: Michael Lippold

‘Labyrinth’ is a production by Miller de Nobili in co-production with Hellerau – European Center for the Arts and Residenzzentrum Tanz+. Supported by: AGORA – Cite Internationale de la Danse, and Centro Coreografico Canal.

Gefördert durch das Amt für Kultur und Denkmalschutz der Stadt Dresden, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, PS-Lotteriemittel der Ostsächsischen Sparkasse Dresden und So geht Sächsisch.